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Märkisches Quartier: Baugenehmigung ebnet Weg für 690 Wohnungen

Neues Stadtteilzentrum mit Läden, Gastronomie und Grünflächen stärkt Versorgung im Märkischen Viertel

Von Holger Pietsch | 11. Dezember 2025
Märkisches Quartier: Baugenehmigung ebnet Weg für 690 Wohnungen © Petra Hoffmann

Im Herzen des Märkischen Viertels ist eine der wichtigsten Hürden genommen: Für das Großprojekt „Märkisches Quartier“ liegt seit dem 2. Dezember die Baugenehmigung vor.1 690 neue Wohnungen und ein komplett neu aufgestelltes Stadtteilzentrum rücken damit in greifbare Nähe.

Nur eine Woche später, am 9. Dezember, wurde das Vorhaben im Ausschuss für Stadtentwicklung sowie im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus vorgestellt – mitten hinein in die politische Debatte um bezahlbaren Wohnraum und ein lebendiges Zentrum im Berliner Norden. Für viele Nachbarinnen und Nachbarn im Märkischen Viertel bedeutet das: Auf einer heute eher trostlosen Fläche könnte in wenigen Jahren ihr neuer Treffpunkt entstehen.

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690 Wohnungen statt XXL-Einkaufszentrum

Auf rund 19.100 Quadratmetern sollen fünf Wohn- und Geschäftshäuser mit insgesamt 690 Wohnungen entstehen. In den Erdgeschossen sind etwa 10.000 Quadratmeter Gewerbeflächen geplant – unter anderem für einen großen Nahversorger, weitere Läden und Gastronomie.

Dazu kommen eine Tiefgarage mit 153 Stellplätzen, teils mit Ladesäulen, zahlreiche Fahrradstellplätze sowie neue Spiel- und Aufenthaltsflächen in Innenhöfen, auf Dächern und im Außenbereich. Kurz gesagt: Wo heute viele nur schnell durchhuschen, soll ein Kiez entstehen, in dem man gerne bleibt.

„Ein wichtiges Signal für das Märkische Zentrum“

Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) betont die Bedeutung des Projekts für den ganzen Ortsteil: „Ein lebendiges Stadtteilzentrum funktioniert nur, wenn Einkaufen, Versorgung und Aufenthaltsqualität zusammen gedacht werden.“ Das neue Konzept stärke das Märkische Zentrum als Versorgungsstandort und Treffpunkt und sei „ein wichtiges Signal für die wirtschaftliche Entwicklung im Märkischen Viertel“.

Auch die zuständige Stadträtin für Stadtentwicklung, Korinna Stephan (Bündnis 90/Die Grünen), ordnet das Projekt deutlich ein. „Das Märkische Quartier zeigt, wie aus einer schwierigen Ausgangslage etwas richtig Gutes entstehen kann“, sagt sie – aus einem fast rein gewerblichen Entwurf sei ein urbanes Quartier mit viel Wohnraum und lebendigem Zentrum geworden.

Vom gescheiterten Shoppingtempel zum Wohnquartier

Wer sich noch an die alten Pläne erinnert, weiß: Eigentlich sollte hier einmal ein gigantisches Einkaufszentrum entstehen.2 25.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, große Markthalle, Büros, Dachgarten, Hunderte Parkplätze – der ganz große Wurf für den Norden Berlins.

Daraus wurde bekanntlich nichts. Die Marktbedingungen haben sich geändert, ein Center dieser Größenordnung galt nicht mehr als tragfähig, zumal das Märkische Viertel zwar dicht besiedelt ist, aber nicht gerade als Kaufkraft-Hotspot gilt.

In enger Zusammenarbeit zwischen Investor Cheyne Capital, Projektentwickler Laborgh Investment, dem Architekturbüro IOO und dem Bezirksamt wurde deshalb ein komplett neues Konzept entwickelt.3 Der Fokus liegt nun klar auf Wohnen – ergänzt um Läden, Dienstleistungen und Gastronomie direkt vor der Haustür.

Was heißt das konkret für die Nachbarschaft?

Für die Menschen im Märkischen Viertel bedeutet das Projekt vor allem eines: mehr Wohnungen, und zwar in einem Markt, in dem bezahlbare Angebote rar sind.4 Laut früheren Planungen sollte ein sehr großer Teil der Wohnungen förderfähig sein, also für Haushalte mit kleinerem Einkommen erreichbar.

Fast alle Wohnungen sollen barrierefrei entstehen, ein Punkt, der angesichts der Bevölkerungsentwicklung in Reinickendorf gerade für ältere Bewohnerinnen und Bewohner im Viertel wichtig ist. Dazu kommen kurze Wege: Einkaufen, Arztbesuch, Café – vieles soll künftig im direkten Umfeld möglich sein.

Für den öffentlichen Raum sind neue Spiel- und Aufenthaltsflächen vorgesehen, sowohl in den Innenhöfen als auch auf Dachflächen und im Außenbereich. Wer das heutige Märkische Zentrum eher mit Beton und Windschneisen verbindet, kann sich also berechtigte Hoffnungen auf mehr Grün, mehr Sitzgelegenheiten und mehr Leben machen.

Politik und Investor am Zug – und was noch offen ist

Mit der Genehmigung ist die formale Grundlage geschaffen, gebaut wird damit aber noch nicht automatisch. „Die jetzt erteilte Baugenehmigung ist das Ergebnis dieses gemeinsamen Prozesses und gibt uns Planungssicherheit für die nächsten Schritte“, erklären Jan Moench (Cheyne Capital) und Florian Lanz (Laborgh Investment) in einem gemeinsamen Statement.

Für den Baustart muss nun der Investor den Impuls geben – sprich: entscheiden, wann die Bagger wirklich anrollen. Bezirksstadträtin Stephan hofft, „dass wir uns schon bald beim Spatenstich wiedersehen und der Bau zügig beginnen kann“.

Im Vorfeld hatte das Bezirksamt betont, dass das Vorhaben mit hoher Priorität behandelt wird und man auf eine schnelle, aber rechtssichere Genehmigung dränge.5 Nun liegt der Ball vor allem bei Cheyne Capital und Laborgh – und die Nachbarschaft schaut genau hin, ob aus den vielen Visualisierungen und Versprechen auch Beton, Ziegel und echte Kiezplätze werden.

Zwischen Vorfreude und Skepsis im Kiez

Im Märkischen Viertel dürfte die Stimmung gemischt sein: Viele freuen sich auf mehr Angebote, andere sorgen sich um Lärm, Baustellenstaub und steigende Mieten in der Umgebung, ein Thema, das auch Stadtrat Uwe Brockhausen bei seinen Sozialthemen immer wieder aufgreift. Wer dort lebt, weiß, dass Großprojekte nicht immer so schnell kommen, wie Pressemitteilungen es versprechen.

Andererseits: Eine jahrelang brachliegende Fläche mitten im Zentrum hilft niemandem. Die Aussicht, dass dort ein Quartier entsteht, das Wohnen, Einkaufen, Arbeiten und Aufenthalt besser verbindet, ist für viele im Kiez vermutlich attraktiver als der nächste halbleere Shoppingtempel.

Fest steht: Mit der Baugenehmigung ist aus einer zähen Planungsgeschichte ein echtes Zukunftsprojekt geworden. Ob das „Märkische Quartier“ am Ende wirklich zum lebendigen Herz des Viertels wird, entscheidet sich in den nächsten Jahren – auf der Baustelle, in den Geschäften und vor allem dort, wo es am meisten zählt: auf den neuen Plätzen, Innenhöfen und Wegen, die die Nachbarn dann tatsächlich jeden Tag nutzen.

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Holger Pietsch
Holger Pietsch
Freier Journalist

Freiberuflicher Journalist, Tegeler mit Überzeugung. Arbeitete früher für die Berliner Morgenpost, heute ausschließlich für lokale Medien. Verbringt seine Freizeit am liebsten am See – und findet dort oft seine besten Geschichten.

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