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Reinickendorf Kriminalität 2026: Zahlen, Kieze und Trends

Von Holger Pietsch | 31. Mai 2026
Reinickendorf Kriminalität 2026: Zahlen, Kieze und Trends © Petra Hoffmann
Symbolbild: Wohnungseinbruch in einem Berliner Mehrfamilienhaus

Wer in Reinickendorf lebt, kennt die Schlagzeilen über Einbrüche in Tegel, Drogenhandel rund um den U-Bahnhof Wittenau oder Vandalismus in der Märkischen Spitze.[7] Doch wie sieht das Lagebild tatsächlich aus, wenn man sich die offiziellen Zahlen ansieht?

Wir haben den Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin (Stand 2025)[1] und die Polizeiliche Kriminalstatistik 2024[2] ausgewertet und zeigen, wie sicher Reinickendorf im Vergleich zu den anderen elf Berliner Bezirken ist, in welchen Kiezen die meisten Straftaten registriert werden und wie sich die Lage über die letzten Jahre entwickelt hat.

Was dich erwartet

Wie viele Straftaten gab es 2025 in Reinickendorf?

Im Jahr 2025 hat die Polizei in Reinickendorf insgesamt 24.346 Straftaten[1] erfasst. Das sind 1.757 Fälle weniger als im Vorjahr (26.103 Straftaten in 2024), ein Rückgang um 6,7 Prozent.

Aussagekräftiger als die reine Fallzahl ist der Wert pro 100.000 Einwohner. Für Reinickendorf lag er 2025 bei rund 8.900 und ist gegenüber 2024 (9.710) deutlich gesunken. Reinickendorf belegt damit Platz 8 von 12 im Berliner Bezirksranking.

Die Aufklärungsquote wird im Kriminalitätsatlas nicht bezirksweise ausgewiesen. Berlinweit lag sie 2024, dem letzten Jahr mit konsolidierter PKS-Auswertung, unverändert bei 45,5 Prozent.[2]

Wie sind die Zahlen pro 100.000 Einwohner zu lesen?

Die Polizei Berlin nutzt für ihre Statistiken die Bezugsgröße Straftaten pro 100.000 Einwohner. Sie macht Bezirke und Kieze unterschiedlicher Größe erst vergleichbar, weil sie die Bevölkerungszahl herausrechnet.[4] Eine reine Fallzahl sagt für sich allein wenig aus: ein großer Bezirk mit vielen Straftaten kann pro Kopf trotzdem sicherer sein als ein kleiner Bezirk mit weniger Vorfällen.

Reinickendorf im Vergleich: So sicher ist der Bezirk gegenüber den anderen Berliner Bezirken

Im Bezirksranking nach Straftaten pro 100.000 Einwohner belegt Reinickendorf 2025 Platz 8 von 12.[1] Damit liegt Reinickendorf im Mittelfeld der Berliner Bezirke.

PlatzBezirkStraftaten je 100.000 Einwohner (2025)
1Mitte19.921
2Friedrichshain-Kreuzberg17.879
3Charlottenburg-Wilmersdorf13.162
4Neukölln12.555
5Tempelhof-Schöneberg10.577
6Spandau9.649
7Lichtenberg9.477
8Reinickendorf8.904
9Marzahn-Hellersdorf8.351
10Pankow8.305
11Treptow-Köpenick8.063
12Steglitz-Zehlendorf6.624

Mit rund 8.900 registrierten Straftaten pro 100.000 Einwohnern liegt Reinickendorf unter den Innenstadtwerten (Mitte rund 19.900, Friedrichshain-Kreuzberg rund 17.900), aber etwa 34 Prozent über dem sichersten Bezirk Steglitz-Zehlendorf.

Die häufigsten Delikte in Reinickendorf

Wie überall in Berlin macht Diebstahl auch in Reinickendorf den größten Anteil aus. Mit Abstand auf Platz zwei stehen Körperverletzungen, auf Platz drei Sachbeschädigungen. Die Verteilung im Überblick:

DeliktFälle 2025Je 100.000 Einwohner
Diebstahl insgesamt9.4453.454
Körperverletzung insgesamt2.9781.089
Sachbeschädigung2.350859
Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung, Nachstellung1.571575
Diebstahl an oder aus Kfz1.866682
Gefährliche und schwere Körperverletzung777284
Wohnraumeinbruch628230
Fahrraddiebstahl935342
Rauschgiftdelikte378138
Diebstahl von Kraftwagen343125
Branddelikte insgesamt25995
Sachbeschädigung durch Graffiti24590
Raub21980
Straßenraub, Handtaschenraub12044
Brandstiftung9133

Was hinter den nüchternen Zahlen steckt:

  • Diebstahl dominiert weiter. Mit 9.445 Fällen macht Diebstahl rund 39 Prozent aller registrierten Reinickendorfer Straftaten aus. Allein auf Kraftfahrzeuge entfallen 2.209 Fälle (Diebstahl an oder aus Kfz plus Diebstahl von Kraftwagen). Berlinweit liegt die Aufklärungsquote in dieser Deliktgruppe bei nur etwa 21 Prozent.
  • Körperverletzung geht zurück. Die Veränderung von 2.997 auf 2.978 Fälle entspricht minus 0,6 Prozent. Die Aufklärungsquote ist mit rund 80 Prozent berlinweit allerdings hoch, weil sich Täter und Opfer oft kennen.
  • Wohnungseinbruch zieht spürbar an. 628 Fälle bedeuten ein Plus von rund 37 Prozent gegenüber 2024 (457 Fälle). Berlinweit endet etwa jeder zweite Einbruch im Versuchsstadium.
  • Schwerpunkte sind Nord 2 - Waidmannslust/Wittenau/Lübars und Ost 2 - Alt-Reinickendorf. Diese beiden Bezirksregionen stellen zusammen rund 21 Prozent aller Reinickendorfer Straftaten 2025, was angesichts ihrer Geschäftsstraßen und Verkehrsknoten plausibel ist.

In welchen Reinickendorfer Kiezen ist die Kriminalität am höchsten?

Reinickendorf ist in 12 Bezirksregionen unterteilt.[6] Die Polizei weist Fallzahlen und Werte pro 100.000 Einwohner für jede dieser Regionen einzeln aus. Wer wissen will, wo die meisten Straftaten registriert werden, sollte beide Zahlen kennen: die absolute Fallzahl zeigt das Geschehen, der Wert pro 100.000 Einwohner rechnet die Einwohnerzahl heraus und macht den Vergleich erst fair.

RangBezirksregionFälle 2025Je 100.000 Einwohner
1West 5 - Tegel1.58313.898
2Ost 2 - Alt-Reinickendorf3.49812.352
3Nord 2 - Waidmannslust/Wittenau/Lübars3.80711.839
4West 1 - Tegel-Süd/Flughafensee2.23211.227
5West 4 - Auguste-Viktoria-Allee2.92010.318
6Ost 1 - Reginhardstraße2.8389.884
7Rollbergesiedlung8748.957
8MV Nord1.9557.115
9West 3 - Borsigwalde/Freie Scholle1.0496.292
10MV Süd7205.239
11Nord 1 - Frohnau/Hermsdorf1.4744.495
12West 2 - Heiligensee/Konradshöhe9423.889

West 5 - Tegel ist 2025 die Bezirksregion mit der höchsten Kriminalitätsbelastung in Reinickendorf. Ihre Quote von 13.898 Straftaten pro 100.000 Einwohner liegt 56 Prozent über dem Reinickendorfer Schnitt. Hier konzentrieren sich Geschäftsstraßen, Einkaufslagen und stark frequentierte Verkehrsachsen, an denen Ladendiebstahl, Sachbeschädigung und Körperverletzung am häufigsten registriert werden.

Am ruhigsten ist West 2 - Heiligensee/Konradshöhe. Mit 942 Fällen und 3.889 Straftaten pro 100.000 Einwohner verzeichnet die Region die niedrigsten Werte in Reinickendorf.

Kriminalität im Zeitverlauf

Über die letzten zehn Jahre hat sich die Reinickendorfer Kriminalitätsentwicklung in einem Korridor zwischen 24.248 und 33.207 Fällen pro Jahr bewegt. Der Höchststand wurde 2016 mit 33.207 Straftaten registriert, der Tiefststand 2021 mit 24.248 Fällen.

0k13k26k40k33.207201630.093201729.263201827.420201925.386202024.248202127.251202227.344202326.103202424.3462025

Erfasste Straftaten in Reinickendorf pro Jahr. Quelle: Kriminalitätsatlas Polizei Berlin.

Pro 100.000 Einwohner ist Reinickendorf im Sinkflug. 2016 lag der Wert bei 11.677, 2025 bei 8.904. Heißt: pro Kopf werden heute rund 24 Prozent weniger Straftaten registriert als vor knapp zehn Jahren. Reinickendorf ist im Schnitt also nicht unsicherer geworden, wohl aber bevölkerungsreicher.

Wer sind die Tatverdächtigen in Berlin?

Hinweis zur Datenebene

Die Polizei Berlin veröffentlicht Tatverdächtigen-Zahlen nur berlinweit, nicht auf Bezirksebene, und nur jährlich im PKS-Kurzbericht. Die folgenden Anteile gelten für ganz Berlin und beziehen sich auf den letzten verfügbaren Berichtszeitraum 2024. Sie lassen sich nicht ohne Weiteres auf Reinickendorf übertragen.

2024, dem letzten Jahr mit vollständigem PKS-Bericht, hat die Polizei Berlin 143.534 Tatverdächtige ermittelt[2], 2.914 mehr als im Vorjahr. Wichtig ist die Tatverdächtigenbelastungszahl, also die Zahl der Tatverdächtigen pro 100.000 Einwohner. Sie ist 2024 leicht gesunken, von 3.045 auf 2.958. Die Bevölkerung wächst also schneller als die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen.

Auffällig ist der hohe Anteil reisender Tatverdächtiger. Nur 69,9 Prozent der in Berlin ermittelten Tatverdächtigen wohnen auch in Berlin, im Vorjahr waren es noch 72,7 Prozent. Knapp ein Drittel der Tatverdächtigen ist also als Tourist, Pendler, Geschäftsreisender oder Reisetäter in der Stadt.

Deutsche und nichtdeutsche Tatverdächtige im Vergleich

Bei den Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße, also abgesehen von Aufenthalts- und ähnlichen Delikten, die nur Nichtdeutsche begehen können, entfielen 2024 berlinweit[2]:

  • 56,1 Prozent der Tatverdächtigen auf deutsche Staatsangehörige
  • 43,9 Prozent auf nichtdeutsche Staatsangehörige (Vorjahr 43,2 Prozent)

Die Anteile schwanken je nach Deliktgruppe erheblich. Eine Übersicht für ausgewählte schwere Delikte:

DeliktgruppeAnteil nichtdeutscher Tatverdächtiger (2024)Vorjahr (2023)
Wohnraumeinbruchdiebstahl70,8 %64,4 %
Raub55,3 %53,1 %
Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte44,6 %40,0 %
Gefährliche und schwere Körperverletzung44,3 %42,9 %
Straftaten gegen die persönliche Freiheit39,2 %37,1 %
Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung38,4 %35,9 %

Besonders auffällig ist der Wohnungseinbruch: 70,8 Prozent der Tatverdächtigen sind nichtdeutsche Staatsangehörige, und 50,8 Prozent wohnen nicht in Deutschland. Der hohe Anteil reisender Täter ist seit Jahren bekannt und prägt diese Deliktgruppe stärker als jede andere.

Was ist mit dem Migrationshintergrund?

Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur die Staatsangehörigkeit, also den Pass, nicht den Migrationshintergrund einer Person. Ein in Berlin geborener Mensch mit deutschem Pass zählt als deutscher Tatverdächtiger, auch wenn die Familie eingewandert ist. Eine Aufschlüsselung "Deutsche mit Migrationshintergrund" gegen "Deutsche ohne Migrationshintergrund" gibt die PKS nicht her.

Wer dennoch einen längerfristigen Anhaltspunkt sucht, kann auf den Strafvollzug schauen. Wer im Gefängnis sitzt, ist verurteilt, nicht nur tatverdächtig, und kurzzeitige Touristen oder Geschäftsreisende fallen in dieser Statistik weg. Im Berliner Justizvollzug lag der Anteil nichtdeutscher Strafgefangener und Sicherungsverwahrter (einschließlich staatenlos und ungeklärt) am Stichtag 31. März 2023 bei rund 47 Prozent[3].

Von den nichtdeutschen Inhaftierten besaßen 60 Prozent eine europäische, 21 Prozent eine asiatische, 12 Prozent eine afrikanische und ein Prozent eine amerikanische Staatsangehörigkeit, sechs Prozent waren staatenlos.

Auch dieser Wert misst aber nur die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Eine bundesweit einheitliche Justizvollzugsstatistik nach Migrationshintergrund gibt es nicht.

Wichtige methodische Einschränkungen

Die Zahlen sollten ohne diese Einordnungen nicht weitergegeben werden:

  • Tatverdächtige sind keine verurteilten Täter. Die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst Verdachtsfälle nach polizeilichem Abschluss der Ermittlungen.[5] Eine spätere Verurteilung ist damit nicht ausgesprochen, jeder Tatverdächtige gilt bis zum Urteil als unschuldig.
  • "Nichtdeutsch" bezeichnet die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund. Siehe Erläuterung oben.
  • Touristen, Reisende und Asylsuchende sind enthalten. Wer als Tourist beim Ladendiebstahl erwischt wird, taucht in der Berliner Statistik auf, obwohl er in Paris, Warschau oder Hamburg wohnt. Bei einigen Delikten erklärt das einen erheblichen Teil der nichtdeutschen Anteile, siehe Wohnungseinbruch mit 50,8 Prozent nicht in Deutschland wohnhafter Tatverdächtiger.
  • Demografische Effekte sind groß. Junge Männer sind die statistisch am stärksten kriminalitätsbelastete Gruppe. Da die in Berlin lebende nichtdeutsche Bevölkerung im Schnitt jünger und männerlastiger ist als die deutsche, ergeben sich allein daraus rechnerisch höhere Tatverdächtigen-Anteile, ohne dass sich daraus eine Aussage über einzelne Personen ableiten ließe.
  • Anzeigeverhalten ist nicht neutral. Nicht jede Straftat wird angezeigt. Anzeigequoten unterscheiden sich nach Delikt, sozialem Umfeld und Wohnviertel und beeinflussen, welche Fälle überhaupt in die Statistik einfließen.

Häufige Fragen zur Kriminalität in Reinickendorf

Welcher Reinickendorfer Kiez gilt als sicherster?

Mit 3.889 Straftaten pro 100.000 Einwohner ist West 2 - Heiligensee/Konradshöhe 2025 die sicherste Bezirksregion in Reinickendorf. Die Fallzahl von 942 registrierten Straftaten ist auch absolut betrachtet die niedrigste im Bezirk.

Welcher Kiez hat die höchste Kriminalitätsrate in Reinickendorf?

West 5 - Tegel führt das Reinickendorfer Ranking 2025 mit 13.898 Straftaten pro 100.000 Einwohner an, gefolgt von Ost 2 - Alt-Reinickendorf (12.352) und Nord 2 - Waidmannslust/Wittenau/Lübars (11.839).

Wie sicher ist Reinickendorf im Vergleich zu den anderen Berliner Bezirken?

Reinickendorf liegt mit rund 8.900 Straftaten pro 100.000 Einwohner unter den Innenstadtbezirken Mitte (19.921) und Friedrichshain-Kreuzberg (17.879). Im Ranking aller zwölf Berliner Bezirke belegt Reinickendorf 2025 Platz 8, vor Marzahn-Hellersdorf, Pankow, Treptow-Köpenick, Steglitz-Zehlendorf.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote in Berlin?

Eine bezirksspezifische Aufklärungsquote wird im Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin nicht veröffentlicht. Berlinweit lag sie 2024 bei 45,5 Prozent, unverändert gegenüber 2023. Bei Körperverletzungsdelikten erreicht sie rund 80 Prozent, bei Diebstahl dagegen nur 21,4 Prozent.

Wie hoch ist der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger in Berlin?

Bei Straftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße lag der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger 2024 berlinweit bei 43,9 Prozent. Der Wert ist gegenüber dem Vorjahr (43,2 Prozent) leicht gestiegen. Wichtig: die Polizeiliche Kriminalstatistik erfasst nur die Staatsangehörigkeit, nicht den Migrationshintergrund.

Werden in Reinickendorf überdurchschnittlich viele Nichtdeutsche straffällig?

Eine bezirksbezogene Aufschlüsselung der Tatverdächtigen nach Staatsangehörigkeit veröffentlicht die Polizei Berlin im Kriminalitätsatlas nicht. Die berlinweiten Anteile lassen sich nicht 1:1 auf Reinickendorf übertragen, weil sich Sozialstruktur, Altersverteilung und Tourismusaufkommen vom Berliner Mittel unterscheiden.

Wie hat sich die Kriminalität in Reinickendorf über die letzten Jahre entwickelt?

Die Fallzahlen bewegen sich seit 2016 in einem Korridor zwischen rund 24.248 und 33.207 Straftaten pro Jahr. Der Wert pro 100.000 Einwohner ist im selben Zeitraum von 11.677 im Jahr 2016 auf 8.904 in 2025 gesunken. Reinickendorf ist gemessen an der Einwohnerzahl also tendenziell etwas sicherer geworden.

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Holger Pietsch
Holger Pietsch
Freier Journalist

Freiberuflicher Journalist, Tegeler mit Überzeugung. Arbeitete früher für die Berliner Morgenpost, heute ausschließlich für lokale Medien. Verbringt seine Freizeit am liebsten am See – und findet dort oft seine besten Geschichten.

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