Wer in Reinickendorf wohnt, zahlt für den Alltag 10 bis 18 Prozent weniger als im Berliner Schnitt, damit zählt der Bezirk zu den drei günstigsten der Stadt. Für eine Familie mit zwei Kindern macht das verglichen mit Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg leicht 5.000 bis 9.000 Euro im Jahr aus.
Wie teuer ist Reinickendorf wirklich, und wo steht der Bezirk neben den elf übrigen? Die Antworten stützen sich auf den Berliner Mietspiegel[1], den Wohnungsmarktbericht der IBB[2], die Preiserhebungen des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg[3] und die veröffentlichten Tarife von BVG[4] und Berliner Bäder-Betrieben[5].
- Reinickendorf in sechs Zahlen
- So viel braucht ein Reinickendorfer Haushalt im Monat
- Miete und Energie: der größte Posten
- Einkaufen, Café, Restaurant
- Unterwegs mit U-Bahn und Auto
- Baden, Kino, Training: was die Freizeit kostet
- Kinder: von der Kita bis zum Verein
- Rangliste: die zwölf Bezirke nach Kosten
- Wie weit Reinickendorf unter den Innenstadtmieten liegt
- Für wen sich Reinickendorf rechnet
- Fragen und Antworten zu den Kosten in Reinickendorf
- Wohin sich die Preise in Reinickendorf bewegen
- Quellen
Reinickendorf in sechs Zahlen
- Kaltmiete bei Neuvermietung: 11 bis 14 Euro pro qm
- Strom beim Grundversorger: 38 bis 42 Cent je kWh
- Garage oder Stellplatz: 50 bis 90 Euro im Monat
- Cappuccino im Café um die Ecke: ca. 3,20 bis 4,20 Euro
- Kitaplatz: kostenlos, nur rund 25 Euro fürs Mittagessen pro Monat
- Im Vergleich zu ganz Berlin: 10 bis 18 Prozent günstiger
So sind wir zu den Zahlen gekommen
Die Mietwerte stammen aus dem Berliner Mietspiegel und den Marktdaten der IBB, die Energiepreise aus den gültigen Grundversorgertarifen. Für Verbraucherpreise nutzen wir die Erhebungen des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg, für BVG und Bäder die offiziellen Tarife. Was Café und Restaurant kosten, haben wir selbst in Reinickendorf beobachtet.
So viel braucht ein Reinickendorfer Haushalt im Monat
Die Werte unten sind Mittelwerte für einen gewöhnlichen Alltag: kein Luxus, aber auch kein Umdrehen jedes einzelnen Euros.
| Haushalt | Monatsbudget Reinickendorf |
|---|---|
| Single, 1- bis 2-Zimmer-Wohnung | 1.700 bis 2.200 Euro |
| Paar, 2- bis 3-Zimmer-Wohnung | 2.800 bis 3.600 Euro |
| Familie mit 2 Kindern, 3- bis 4-Zimmer | 3.800 bis 5.200 Euro |
Mit Kindern fällt der Abstand zur Innenstadt am deutlichsten aus. Was Reinickendorfer Familien gegenüber Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg sparen, steckt vor allem in der Miete: Dort kostet dieselbe Wohnfläche schnell 400 bis 700 Euro mehr im Monat.
Miete und Energie: der größte Posten
Für jeden Berliner Haushalt frisst das Wohnen den größten Teil des Budgets, und genau da punktet Reinickendorf. Neu angebotene Wohnungen kosten meist 11 bis 14 Euro kalt pro Quadratmeter, während in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg 20 bis 24 Euro üblich sind.[1]
Für die kalten Nebenkosten rechnest du mit 2,00 bis 2,50 Euro je Quadratmeter und Monat, für die warmen je nach Zustand des Hauses mit 1,50 bis 2,50 Euro. Beim Grundversorger zahlst du 38 bis 42 Cent pro Kilowattstunde Strom, ein günstiger Anbieter verlangt 28 bis 32 Cent.
Quadratmeterpreise in allen zwölf Bezirken
| Bezirk | Angebotsmiete (Euro/qm nettokalt) |
|---|---|
| Mitte | ca. 21 bis 24 |
| Friedrichshain-Kreuzberg | ca. 20 bis 23 |
| Pankow | ca. 18 bis 22 |
| Charlottenburg-Wilmersdorf | ca. 17 bis 20 |
| Tempelhof-Schöneberg | ca. 15 bis 18 |
| Neukölln | ca. 15 bis 18 |
| Steglitz-Zehlendorf | ca. 14 bis 17 |
| Treptow-Köpenick | ca. 13 bis 16 |
| Lichtenberg | ca. 12 bis 15 |
| Spandau | ca. 11 bis 14 |
| Reinickendorf | ca. 11 bis 14 |
| Marzahn-Hellersdorf | ca. 10 bis 13 |
Konkret heißt das: Für 70 sanierte Quadratmeter zahlst du in Reinickendorf warm etwa 1000 bis 1250 Euro. Die gleiche Wohnung in Friedrichshain-Kreuzberg kostet 1.600 bis 1.900 Euro.
Einkaufen, Café, Restaurant
Beim Discounter ist Reinickendorf so teuer wie der Rest der Stadt. Unterschiede merkst du erst auf dem Wochenmarkt, im Bioladen und am deutlichsten beim Essengehen.[3] Allein lebend reichen 50 bis 70 Euro in der Woche, zu zweit 90 bis 130 Euro, mit zwei Kindern 150 bis 230 Euro.
| Produkt | Preis |
|---|---|
| 1 Liter Vollmilch (Discounter) | ca. 1,09 Euro |
| 1 Liter Biomilch | ca. 1,49 bis 1,79 Euro |
| 500 g Mischbrot vom Bäcker | ca. 3,50 bis 4,50 Euro |
| Cappuccino im Kiez-Café | ca. 3,20 bis 4,20 Euro |
| Hauptgericht einfaches Restaurant | ca. 12 bis 16 Euro |
| 3-Gänge-Menü für 2 mit Getränken | ca. 65 bis 90 Euro |
| Döner | ca. 6,50 bis 8,00 Euro |
Essen gehen ist in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg deutlich teurer. Bleibst du für Restaurantabende in Reinickendorf, sparst du pro Besuch realistisch 20 bis 30 Prozent gegenüber den angesagten Adressen der Innenstadt.
Unterwegs mit U-Bahn und Auto
Bei der BVG zahlt Reinickendorf dasselbe wie alle anderen Bezirke: 58 Euro im Monat fürs Deutschlandticket, 64 Euro für die AB-Monatskarte.[4] Ab U-Bahnhof Alt-Tegel bist du in rund 20 Minuten am Hauptbahnhof.
Mit eigenem Auto sparst du hier an zwei Stellen. Viele Straßen sind noch ohne oder mit moderater Parkraumbewirtschaftung, und für Stellplatz oder Garage gehen 50 bis 90 Euro im Monat weg, in Mitte dagegen 150 bis 250 Euro. Beim Tanken gibt es keinen Unterschied.
Baden, Kino, Training: was die Freizeit kostet
| Aktivität | Preis |
|---|---|
| Eintritt Berliner Bäder-Betriebe | ca. 6,50 Euro |
| Kinokarte (regulär) | ca. 11 bis 15 Euro |
| Discount-Fitnessstudio | ca. 20 bis 30 Euro/Monat |
| Premium-Fitness mit Sauna | ca. 60 bis 100 Euro/Monat |
| Theaterkarte (Volksbühne, Schaubühne) | ca. 18 bis 55 Euro |
| Eintritt Tegeler See und Greenwich-Promenade | Eintritt frei |
Ein Kinoabend kostet in Reinickendorf das Übliche. Nur die Premiumkinos in Mitte oder Kreuzberg verlangen meist ein bis zwei Euro mehr als die Multiplexe am Stadtrand. Und der Spaziergang am Tegeler See und auf der Greenwich-Promenade kostet gar nichts.
Kinder: von der Kita bis zum Verein
Eltern zahlen in Berlin keine Kitagebühren, nur das Mittagessen für rund 25 Euro im Monat. Die Schule ist ebenfalls kostenlos. Trotzdem solltest du in Reinickendorf pro Kind 40 bis 80 Euro monatlich für Schulbedarf, Ganztag und Material einplanen.
Im Fußballverein zahlt ein Reinickendorfer Kind 10 bis 15 Euro Beitrag im Monat. Die bezirkliche Musikschule nimmt je nach Fach und Stundenzahl 25 bis 90 Euro, mit Ermäßigung für kleinere Einkommen. Zwei Kinder mit Verein und Unterricht kosten zusammen oft 100 bis 200 Euro im Monat.
Rangliste: die zwölf Bezirke nach Kosten
Grundlage der Einordnung ist ein Vierpersonenhaushalt auf 90 Quadratmetern, gemessen am Berliner Durchschnitt. Die Werte sind grob gerundet.
| Bezirk | Kostenniveau vs. Berliner Schnitt |
|---|---|
| Mitte | +20 bis +30 % |
| Friedrichshain-Kreuzberg | +15 bis +25 % |
| Pankow | +10 bis +20 % |
| Charlottenburg-Wilmersdorf | +5 bis +15 % |
| Tempelhof-Schöneberg | leicht über Schnitt |
| Neukölln | leicht über Schnitt |
| Steglitz-Zehlendorf | um den Schnitt |
| Treptow-Köpenick | leicht unter Schnitt |
| Lichtenberg | -5 bis -10 % |
| Spandau | -10 bis -18 % |
| Reinickendorf | -10 bis -18 % |
| Marzahn-Hellersdorf | -15 bis -22 % |
Mit diesem Ergebnis landet Reinickendorf unter den drei günstigsten Bezirken. Gegenüber Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg liegt das Kostenniveau etwa 25 bis 35 Prozent niedriger.
Wie weit Reinickendorf unter den Innenstadtmieten liegt
Im Vergleich mit Reinickendorf zahlst du in Friedrichshain-Kreuzberg 60 bis 80 Prozent mehr Miete, in Charlottenburg-Wilmersdorf 40 bis 60 Prozent. Für Pankow sind es im Mittel 30 bis 40 Prozent, für Neukölln 30 bis 50 Prozent. Brauchst du das Innenstadtleben nicht unbedingt, wohnst du im Norden ähnlich gut für deutlich weniger Geld.
Für wen sich Reinickendorf rechnet
Familien mit Kindern bekommen hier große Wohnungen zu vergleichsweise niedrigen Preisen, die Kita ist ohnehin kostenlos. Verglichen mit Friedrichshain-Kreuzberg oder Prenzlauer Berg bleiben so schnell mehrere tausend Euro im Jahr übrig.
Berufseinsteiger und Mittelverdiener mit Job in der Innenstadt zahlen in Reinickendorf merklich weniger Miete und kommen ab Alt-Tegel trotzdem gut in die Stadt.
Rentner und Vorrentner wohnen hier ruhiger und günstiger, und laut unserem Kriminalitätsreport steht der Bezirk auch bei der Sicherheit im Berliner Vergleich gut da.
Fragen und Antworten zu den Kosten in Reinickendorf
Was zahlst du in Reinickendorf fürs Wohnen?
Für 70 sanierte Quadratmeter fallen warm rund 1000 bis 1250 Euro im Monat an. Kalt liegen neue Angebote bei 11 bis 14 Euro je Quadratmeter, plus 3,50 bis 5,00 Euro warme Nebenkosten je Quadratmeter.
Mit welchem Budget kommt eine Familie in Reinickendorf aus?
Zu viert brauchst du in Reinickendorf realistisch 3.800 bis 5.200 Euro im Monat. Darin stecken Miete, Einkauf, Mobilität, Freizeit sowie Schul- und Vereinskosten.
Rechnet sich ein Umzug nach Reinickendorf?
Aufs Geld bezogen ja: Eine Familie behält gegenüber der Innenstadt leicht 5.000 bis 9.000 Euro im Jahr. Wer allerdings nah am Zentrum und am Nachtleben wohnen will, wird die längeren Wege als Nachteil spüren.
Deutschlandticket oder AB-Karte: was passt besser?
Mit 58 Euro im Monat ist das Deutschlandticket die billigere Wahl. Die AB-Monatskarte kostet 64 Euro und kommt höchstens in Frage, wenn du ausschließlich innerhalb der Stadt pendelst und nie ins Umland fährst.
Mit welchen Stromkosten musst du rechnen?
Der Grundversorger verlangt derzeit 38 bis 42 Cent je Kilowattstunde, günstige Anbieter 28 bis 32 Cent. Bei 2.500 kWh im Jahr, typisch für zwei Personen, sind das 700 bis 1.050 Euro jährlich.
Wohin sich die Preise in Reinickendorf bewegen
Auf absehbare Zeit bleibt Reinickendorf unter den drei günstigsten Bezirken. Langfristig dürften aber die Urban Tech Republic und das Schumacher-Quartier auf dem früheren TXL-Gelände die Mieten nach oben ziehen.
Wer seinen Wohnort nach Zahlen wählt und nicht nach Postleitzahl, fährt im Westen der Stadt weiter am besten. Für eine vierköpfige Familie bedeutet Reinickendorf im Jahr leicht 5.000 bis 9.000 Euro weniger Ausgaben als Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg.