Auf dem Friedhof Reinickendorf an der Humboldtstraße hat das Bezirksamt erstmals 47 Grabstellen eingerichtet, die speziell für muslimische Bestattungen ausgewiesen sind. Die Flächen sind ab sofort belegbar und können direkt über die Friedhofsverwaltung gebucht werden.
Reinickendorf ist damit der achte Berliner Bezirk, der ein solches Angebot eröffnet.
Sieben weitere Bezirke führen bereits seit Jahren entsprechende Grabfelder, unter anderem in Neukölln und Tempelhof-Schöneberg.
Was an den neuen Grabstellen anders ist
Muslimische Bestattungen folgen religiösen Regeln, die sich von der christlichen Friedhofstradition unterscheiden.
Die Gräber sind nach Mekka ausgerichtet, der oder die Verstorbene liegt auf der rechten Seite mit dem Gesicht nach Südosten.
Auf einen Sarg wird nach Möglichkeit verzichtet, stattdessen kommt ein Leichentuch zum Einsatz.
Diese und weitere rituelle Anforderungen wurden bei der Planung der 47 Grabstellen berücksichtigt.1
"Ein wichtiger Schritt für die Vielfalt im Bezirk"
Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) ordnet die Eröffnung politisch ein.
Die Einrichtung der neuen Grabstellen sei ein wichtiger Schritt hin zu einer Bestattungskultur, die die Vielfalt des Bezirks sichtbar widerspiegele, so die Bürgermeisterin.
Rund 30.000 Menschen muslimischen Glaubens leben nach Schätzungen des Bezirksamts in Reinickendorf.
Für viele Familien bedeutet das neue Angebot, dass Angehörige nicht mehr in andere Bezirke oder in die Türkei überführt werden müssen.
Was die Bestattung kostet
Für die Nutzung der muslimischen Grabstellen gelten die regulären Berliner Friedhofsgebühren.
Eine Erdbestattung kostet je nach Ruhezeit zwischen rund 1.300 und 2.500 Euro, hinzu kommen Gebühren für Trauerhalle und Beisetzung.
Eine Überführung in die Türkei schlägt nach Erfahrungswerten der Bestattungsbranche dagegen mit 3.500 bis 6.000 Euro zu Buche.
Damit ist die Bestattung in Berlin für viele Familien deutlich günstiger.
Hintergrund: Warum es so lange gedauert hat
Die Berliner Friedhofsordnung schreibt traditionell einen Sarg vor, was muslimischen Vorgaben widerspricht.
Seit einer Reform der Bestattungsverordnung von 2018 sind Ausnahmen auf ausgewiesenen Grabfeldern möglich.
Reinickendorf hatte lange auf eine breite politische Zustimmung in der Bezirksverordnetenversammlung gewartet, der Beschluss kam Ende 2025.
Die Umsetzung dauerte rund fünf Monate.
Wo der Friedhof liegt
Der Friedhof Reinickendorf befindet sich in der Humboldtstraße im Stadtteil Reinickendorf-Ost.
Erreichbar ist er über den U-Bahnhof Holzhauser Straße (U6) und die Buslinien 124 und 322.
Geöffnet ist die Anlage täglich von 8 Uhr bis Einbruch der Dunkelheit.
Wer den Friedhofsbesuch mit einem Spaziergang verbinden möchte, findet in unserem Überblick zu den schönsten Parks in Reinickendorf passende Stationen.
Anmeldung und Kontakt
Grabstellen können direkt bei der Friedhofsverwaltung gebucht werden.
Erreichbar ist das Büro telefonisch unter 90294-3332 oder per E-Mail an [email protected].
Beratung in türkischer und arabischer Sprache ist auf Anfrage möglich, ein Dolmetscherdienst kann hinzugezogen werden.
Für die religiöse Begleitung kooperiert das Bezirksamt mit den großen muslimischen Verbänden in Berlin.