Zwischen den Hochhäusern im Märkischen Viertel und den Villenstraßen von Frohnau und Hermsdorf liegen in Reinickendorf nur wenige Kilometer, beim Mietniveau aber deutliche Stufen. Die Seenlagen um Tegel kommen noch dazu. Insgesamt bewegt sich der Bezirk im Berliner Mittelfeld. Wo deine Wohnung darin steht, zeigt dir der Berliner Mietspiegel.
Der neue, qualifizierte Mietspiegel 2026 ist in Berlin seit dem 28. Mai 2026 in Kraft.1 Er ersetzt die Fassung von 2024, und wer in Reinickendorf wissen will, ob eine Miete fair ist, kommt an ihm kaum vorbei. Hier liest du, was dahintersteckt, wie du die Tabelle entschlüsselst und wie du für deine Adresse die ortsübliche Vergleichsmiete herausfindest.
- Wozu es den Mietspiegel gibt und was er vor Gericht zählt
- Das steht im Mietspiegel 2026
- Die Tabelle Schritt für Schritt entschlüsseln
- Wohnlagen von Tegel bis Frohnau
- Wo Reinickendorf berlinweit steht
- Deine Vergleichsmiete im Netz ausrechnen
- Checkliste bei einer Mieterhöhung
- Was nach 2026 kommt: Mietspiegel 2028 und Tegel
- Quellen
Wozu es den Mietspiegel gibt und was er vor Gericht zählt
Kurz gesagt beschreibt der Mietspiegel die ortsübliche Vergleichsmiete in Berlin: Welche Nettokaltmiete pro Quadratmeter ist für einen bestimmten Wohnungstyp in der Stadt normal? Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen gibt ihn heraus und stimmt ihn mit den Verbänden der Mieter und Vermieter ab.
Die gesetzliche Grundlage steht in § 558 und § 558d des Bürgerlichen Gesetzbuchs.2 In Berlin handelt es sich um einen qualifizierten Mietspiegel, erstellt nach wissenschaftlichen Methoden, weshalb Gerichte zunächst davon ausgehen, dass seine Werte stimmen.3 Will ein Vermieter mehr verlangen, als die Spanne hergibt, muss er teurere Vergleichswohnungen belegen. Das klappt in der Praxis nur selten.
Für dich als Mieter erfüllt er drei Aufgaben. Er deckelt Mieterhöhungen in einem bestehenden Vertrag, denn mehr als die ortsübliche Vergleichsmiete ist nicht drin. Er ist Bezugsgröße für die Mietpreisbremse bei neuen Verträgen, die in Berlin weiter gilt.4 Und er entscheidet mit, wenn Mieter und Vermieter über die angemessene Höhe streiten.
Das steht im Mietspiegel 2026
Beschlossen hat die Senatsverwaltung den Mietspiegel 2026 am 28. Mai 2026, einen Tag später stand er im Amtsblatt für Berlin. Die Daten beziehen sich auf den Stichtag 1. September 2025.5 Einbezogen sind neue Verträge und veränderte Bestandsmieten der letzten sechs Jahre, entsprechend bildet er diesen Zeitraum ab.
Fortgeschrieben wird in Berlin nichts: Alle zwei Jahre entsteht der Mietspiegel von Grund auf neu. Für 2026 hat das unabhängige ALP Institut Hamburg rund 17.000 Miet- und Ausstattungsdaten ausgewertet.6 Laut Senatsverwaltung erfasst das Werk etwa 1,6 Millionen mietspiegelrelevante Wohnungen.
Über ganz Berlin gerechnet liegt die mittlere Nettokaltmiete im Mietspiegel 2026 bei 7,71 Euro pro Quadratmeter, nach 7,21 Euro in der Ausgabe 2024. Das sind in zwei Jahren rund 6,9 Prozent mehr.7 Lass dich von den Inseraten auf Immobilienportalen nicht irritieren: Dort stehen aktuelle Forderungen, während der Mietspiegel auch die vielen alten, günstigen Verträge im Bestand berücksichtigt.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Gültig seit | 28. Mai 2026 |
| Löst ab | Mietspiegel 2024 |
| Stichtag der Erhebung | 1. September 2025 |
| Datenbasis | rund 17.000 Miet- und Ausstattungsdaten |
| Abgedeckte Wohnungen | rund 1,6 Millionen |
| Ø Nettokaltmiete Berlin 2026 | 7,71 €/m² |
| Ø Nettokaltmiete Berlin 2024 | 7,21 €/m² |
| Veränderung in zwei Jahren | +6,9 % |
| Wohnlagen in Berlin | 29,4 % einfach · 49,9 % mittel · 20,7 % gut |
| Nächste Ausgabe | 2028 |
Hinweis
Ausgenommen sind Sozialwohnungen mit Preisbindung, möbliert vermietete Räume, Wohnheime sowie ein Teil der Ein- und Zweifamilienhäuser. Für sie greifen eigene Regeln.
Die Tabelle Schritt für Schritt entschlüsseln
Wirkt viel, ist aber überschaubar: Du brauchst die Tabelle selbst, das Orientierungsraster mit Zu- und Abschlägen und das Straßenverzeichnis, das deiner Adresse eine Wohnlage zuweist.
1. Wann gebaut, wie groß?
Die Zeilen und Spalten ordnen Wohnungen nach Baujahresklassen und Wohnungsgrößen. Los geht es bei "bis 1918", dann folgen die Nachkriegsjahrgänge und schließlich 1991 bis 2002, 2003 bis 2015 sowie ab 2016. Größenmäßig beginnt die Skala bei "bis unter 35 m²" und endet bei "ab 90 m²".
Jedes Tabellenfeld nennt dir einen Unterwert, einen Mittelwert und einen Oberwert. Der Mittelwert steht für die durchschnittliche Nettokaltmiete dieser Wohnungsklasse, der Abstand nach oben und unten für die normale Streuung am Markt.8
2. In welcher Wohnlage wohnst du?
Das Straßenverzeichnis ordnet jede Berliner Adresse einer von drei Wohnlagen zu, nämlich einfach, mittel oder gut. Dafür zählen etwa, wie dicht bebaut die Gegend ist, wie laut es dort ist, wie viel Grün es gibt, wie gut die Versorgung ist und wie das soziale Umfeld aussieht.
Auf die ganze Stadt bezogen fallen laut Mietspiegel 2026 rund 29,4 Prozent der Adressen in die einfache, 49,9 Prozent in die mittlere und 20,7 Prozent in die gute Wohnlage.9 Zu jeder dieser drei Lagen gibt es eine eigene Tabelle.
3. Was die Wohnung mitbringt
Feinjustiert wird zum Schluss mit dem Orientierungsraster. Es fragt fünf Merkmalgruppen ab: Bad, Küche, Wohnung, Gebäude und Wohnumfeld.10 In jeder Gruppe gibt es Pluspunkte, zum Beispiel ein modernes Bad oder hochwertige Bodenbeläge, und Minuspunkte wie einen fehlenden Aufzug oder hellhörige Wände.
Hat eine Gruppe mehr Plus- als Minuspunkte, rückt dein Wert ein Stück Richtung Oberwert, im umgekehrten Fall Richtung Unterwert. Rechnest du alle Zu- und Abschläge auf den Mittelwert, hast du die ortsübliche Vergleichsmiete deiner Wohnung.
Wohnlagen von Tegel bis Frohnau
Die Großsiedlung im Märkischen Viertel hat mit den Einfamilienhäusern in Heiligensee wenig gemeinsam, entsprechend unterschiedlich fallen die Wohnlagen aus. Die Tabelle gibt dir eine grobe Orientierung pro Ortsteil. Welche Lage für deine Hausnummer gilt, steht verbindlich nur im offiziellen Straßenverzeichnis zum Mietspiegel.11
| Ortsteil | Überwiegende Wohnlage | Prägung |
|---|---|---|
| Reinickendorf (Ortskern) / Wittenau | mittel | durchschnittliche Siedlungs- und Wohnlagen |
| Tegel / Borsigwalde | mittel | gemischte Wohnlagen am Tegeler See |
| Frohnau / Hermsdorf | gut | Villenvororte im Norden, hochpreisig |
| Heiligensee / Konradshöhe | mittel bis gut | Wasserlagen mit viel Einfamilienhausbestand |
| Lübars | mittel bis gut | dörflich, am Naturschutzgebiet |
| Märkisches Viertel | einfach | Großsiedlung, günstigste Werte |
| Waidmannslust | einfach bis mittel | Siedlungsbestände |
Die Einstufung kann schon beim Nachbarhaus kippen, auch innerhalb desselben Ortsteils. Schau deshalb für deine Adresse ins Straßenverzeichnis, bevor du rechnest.
Wo Reinickendorf berlinweit steht
Im Berliner Vergleich landet Reinickendorf in der Mitte, zwischen Nord und Süd des Bezirks klafft aber eine große Lücke.12 Frohnau und Hermsdorf zählen zu den teureren Adressen der Stadt, das Märkische Viertel dagegen zu den günstigsten Großsiedlungen Berlins.
Suchst du viel Fläche für wenig Geld, bist du im Märkischen Viertel oder in Waidmannslust besser aufgehoben. In den Villenlagen im Norden sind Wohnungen rar und teuer.
Deine Vergleichsmiete im Netz ausrechnen
Die gedruckte Broschüre kannst du dir sparen. Unter mietspiegel.berlin.de bietet die Senatsverwaltung einen offiziellen Mietspiegelrechner an.13 Er führt dich durch diese Fragen:
- Wo die Wohnung liegt (die Wohnlage ermittelt das Programm selbst)
- Wann das Haus gebaut wurde
- Wie viele Quadratmeter du hast
- Wie Bad, Küche, Wohnung, Gebäude und Umgebung ausgestattet sind
- Extras wie Balkon, Aufzug oder hochwertige Bodenbeläge
Als Ergebnis zeigt der Rechner dir Unter-, Mittel- und Oberwert, also den Spielraum für deine Miete. Das ist die amtliche ortsübliche Vergleichsmiete für deine Wohnung, und sie kostet dich nichts.
Hinweis
Bekommst du eine Mieterhöhung oder hast Fragen zur Mietpreisbremse, helfen dir in Berlin etwa der Berliner Mieterverein, die Berliner MieterGemeinschaft und der Mieterschutzbund weiter. Rund um den Mietspiegel selbst erreichst du die Senatsverwaltung telefonisch unter (030) 90173-3860 oder per Mail an [email protected].
Checkliste bei einer Mieterhöhung
Damit eine Erhöhung im laufenden Vertrag rechtens ist, müssen mehrere Punkte stimmen: Deine Miete ist seit mindestens 15 Monaten gleich geblieben, sie steigt in drei Jahren um höchstens 20 Prozent (vielerorts in Berlin wegen der Kappungsgrenze sogar nur um 15 Prozent), und sie überschreitet die ortsübliche Vergleichsmiete nicht.14
Vergleiche immer mit dem Ergebnis des Mietspiegelrechners für deine Wohnung, nicht mit dem Stadtdurchschnitt. Bei einem neuen Vertrag darf die Miete in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen, so will es die Mietpreisbremse.15 Das trifft auf ganz Berlin zu.
Unterschreib ein Erhöhungsverlangen also nicht einfach. Mit dem Mietspiegel checkst du in ein paar Minuten, ob das Schreiben formal in Ordnung ist und ob die neue Summe wirklich zur Vergleichsmiete passt. Liegt sie über dem Oberwert, muss sich dein Vermieter mit weniger zufriedengeben.
Was nach 2026 kommt: Mietspiegel 2028 und Tegel
Weil Berlin den Mietspiegel alle zwei Jahre neu aufsetzt, ist die nächste Ausgabe 2028 fällig, vermutlich wieder mit Stichtag im September davor.16 So lange bleiben die Werte von 2026 verbindlich.
Für Reinickendorf ist der frühere Flughafen Tegel die große Baustelle: Dort wachsen die Urban Tech Republic als Forschungs- und Industriepark und das Schumacher Quartier als großes neues Wohngebiet. Mittelfristig dürfte das deutlich mehr Wohnungen in den Bezirk bringen.